| Januar 2010 | ||||||||||
| M | D | M | D | F | S | S | ||||
| 1 | 2 | 3 | ||||||||
| 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | ||||
| 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | ||||
| 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24 | ||||
| 25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | ||||
|
||||||||||
How are you today?
Den Satz kennt jeder, der schon einmal in den USA war. Man kann hinkommen, wo man will, überall empfängt er einen, im besten Fall noch ein Hello vorangestellt. In Europa heißt es ja, die
Amerikaner seien oberflächlich. Eine Antwort auf ihre Frage How are you today erwarteten sie nicht (dringend). Ich habe mir schon mehrmals vorgenommen, einfach irgendwann als
Antwort zu geben bad, very bad.
Ich kann mir gut vorstellen, dass der Mensch, der vorab diese Frage gestellt hat, auf meine außergewöhnlich provokante Antwort ziemlich confused wäre. Warum? Der Amerikaner gibt sich
nicht gerne mit Unannehmlichkeiten, im Besonderen meinen Unannehmlichkeiten, ab. Er hat es gerne auf die lässige Art Thank you, fine . Würde ich jetzt mit
meinen schlecht bestellten Befindlichkeiten daherkommen und auf Mitgefühl hoffen, so wäre der Amerikaner definitiv überfordert und ein Trost auf mein bad, very bad würde
selbstverständlich ausbleiben, einfach aus dem Grund, weil er diese Antwort nicht erwartet.
Guilty or not – It’s my fault
Amerikaner sind im höchsten Maße schuldbewußt. Es mag an der Erziehung von Generationen liegen, denn diese Art von Ich bin derjenige, der…. kann nur antrainiert sein. Ich habe selten solch rücksichtsvolle Menschen kennengelernt, die sich für alles mit einem Sorry – Excuse me – Pardon me durch die Gänge der Supermärkte schlängeln – immer auf der Suche, nach der bestmöglichen Lücke durch irgendwelche Einkaufswagenansammlungen.
Nun muß man wissen, dass amerikanische Supermärkte mit denen ihrer deutschen Pendents in keinster Weise vergleichbar sind. Während sich durch die Gänge der deutschen Supermärkte in Stoßzeiten
schon mal Brigaden von Einkaufenden schieben, sind amerikanische Supermärkte in der Regel lediglich gut besucht. Vermeintlich. Dies bedeutet nun gewiss nicht, dass Amerikaner weniger einkaufen.
Das ganz gewiss nicht, eher das Gegenteil ist der Fall. Nur haben Inhaber von amerikanischen Supermärkten Erbarmen mit ihren Kunden und eröffnen weit mehr Fillialen der einzelnen Ketten pro
Stadt, als es in Deutschland je der Fall sein würde. Hier konzentriert sich alles sehr viel mehr punktuell auf eine einzige Filliale, die nächste – es muß rentabel für den Konzern bleiben –
befindet sich je nach Stadt- oder Ortsgröße immer eine ganze Ecke entfernt.
So, und wenn wir nun wieder zu unserem höflichen Amerikaner zurückkommen, der die vielbesungene und oft zitierte amerikanische Freiheit hat, sich unbeschwert und uneingeschränkt in
seinem Supermarkt bewegen zu kann, dann haben wir noch immer nicht die Lösung gefunden, warum der Amerikaner – zumindest in der Öffentlichkeit – ein so höflicher Mensch ist.
Es ist ja nicht etwa so, dass er der Verursacher wäre, wenn es zu einer Einkaufswagen-Kollision kommt. Möglicherweise kann er für den Zusammenstoß oder das gefährliche Zunahekommen mit dem Wagen
des Anderen gar nichts. Während man in Deutschland bei einem solchen Vorfall in hitzige Diskussionen verfällt, wer denn nun wen gerammt hat, ist man auf der anderen Seite des Atlantiks sehr viel
weiter und geht sich – nach der Versicherung mehrfacher Entschuldigungen – diszipliniert und mit Takt und Anstand sofort aus dem Weg bzw. umfährt das Hindernis – sprich den Anderen. Dabei schenkt
er seinem Kontrahenten ein freundliches und – jetzt wieder das Wort – schuldbewußtes Lächeln und zieht selbstbewußt von dannen. Ich will damit sagen, es handelt sich wirklich nur um Höflichkeit,
der Amerikaner läßt seinen Unfallgegner sehr genau merken, dass er gewillt ist, den Vorfall auf seine Kappe zu nehmen, aber im Nachhinein geht er als eigentlicher Sieger davon, nämlich weil
er souverän die Sache beendet hat, ohne sich auf einen Streit einzulassen.
Drivers License
Wie vielleicht bekannt ist, können sich amerikanische Fahrschulen im allgemeinen nicht die goldene Nase verdienen, wie das hierzulande bei deren Kollegen der Fall ist. Dies zu hören klingt
erschütternd für unsere hiesigen Fahrlehrer, kann aber auch ein ganz übler Nachteil für den amerikanischen Fahreleven bedeuten. Fangen wir einfach mal da an, dass ein Amerikaner,
begibt er sich erst mal über den großen Teich zwecks Sightseeing des Münchner Hofbräuhauses oder des Römers in Frankfurt, er das nicht selten sehr schlaubergerisch mit dem Hintergedanken
tut, dass man auf deutschen Autobahnen so schnell fahren kann, wie man will. Wir nehmen das mal so hin, von Geschwindigkeitsbeschränkungen auf deutschen Autobahnen hat man in der Welt noch nichts
gehört, weil nichts sein kann, was nicht sein darf! Der gemeine Amerikaner möchte also seinem in der Heimat eingeschränkten Geschwindigkeitsrausch mal so richtig das Gaspedal geben. Und hier
fängt es an, gefährlich auf unseren Autobahnen zu werden, denn ein amerikanischer ehemaliger Fahrschüler hat nichts gemein mit einem deutschen ehemaligen Fahrschüler. Laßt die Amis nicht auf
unsere Straßen, sollte man lieber sagen, weil….Sie können nicht Autofahren, grundgütiger Himmel!
Das amerikanische Straßenverkerkehrsrecht besagt, dass die Fahrschüler ihren Unterricht bei einer erwachsenen Person ihres Vertrauens nehmen müssen. Meist sucht sich der angehende
Führerscheininhaber dafür Vater oder Mutter aus. Nur blöd, wenn die – auch schon durch Eltern angelernt, und deren Eltern gleichfalls durch Eltern geschult, ihren anders
gearteten Fahrstil jeweil von Generation zu Generation weitergeben. Billiger kommt es den Aspiranten für Straßenverkehrsbewegungen natürlich schon, dass ist ein nicht zu verachtender Grund.
Es sind ein paar wenige Dollar, die der Führerschein im Amiland kostet. Man nimmt ein paar Theoriestunden, meist sogar in der Highschool, bringt zur Prüfung sein eigenes Fahrzeug mit…, einerseits
ja sehr begrüßenswert, was den Kostenaspekt angeht und hat im Null komma nichts seine Drivers License, die im übrigen einen höheren amtlichen Stellenwert zur Identifikation hat, als der Passport,
das aber nur mal am Rande. Nun ja, in Deutschland ist das leider ganz anders, hier bewegen wir uns – was die Kosten für den Führerschein angeht – schon mal in den Sphären des Kleinwagensegmentes.
Man kann davon ausgehen, dass die Amerikaner nur aufgrund ihrer Erbschuld einen derart gewöhnungsbedürftigen Fahrstil haben, der es ihnen so gut wie unmöglich macht, auf unseren Straßen gut
und sicher zurecht zu kommen. Dies liegt natürlich zu 90 % daran, dass es auf den Highways niemals derart rüde zugeht, wie dies bei uns der Fall ist, wo verbale Gewalt und Psychoterror hinter dem
Lenkrad zum täglichen Stress auf den Straßen gehört. Hier wiederum beneide ich die Menschen drüben, die auf die Geschwindigkeitbeschränkungen von 75 mph reduziert sind und wo bei Übertretung
dieser Grenze empfindliche Strafen verhängt werden, während bei uns ein Kuschelkurs in Sachen Strafen bei viel zu hohen Geschwindigkeiten gefahren wird.
The Land of the Free
Wir haben es mittlerweile begriffen, Amerika ist das freie Land der westlichen Welt schlechthin. Dies haben wir durch jahrelange Kleinstarbeit durch Presse, Funk und Fernsehen sowie das nicht
unwesentliche Zutun diverser Politiker aus eben diesem Land ausreichend gelernt.
Spätestens jedoch, wenn der Amerikaner seinen Lunch oder sein Dinner ausserhalb seiner eigenen vier Wände einnimmt, relativiert sich diese Errungenschaft aber wieder und reduziert
sich auf ein beträchtliches Maß an Unfreiheit. Natürlich empfindet dies nur der gemeine Europäer so, während der Amerikaner seinem Dienstleistungsgedanken frönt und es für ihn eine
Selbstverständlichkeit bedeutet, wenn er in einem Restaurant nicht die freie Tischwahl hat. Was wir als Gängelei empfinden und Einengung unserer freien Entscheidung, honoriert er hingegen als
ganz besonderes Privileg, was ihm – so scheint es zu sein – seit dem Unabhängigkeitskrieg zu den Grundrechten der Menschen in der Neuen Welt gehört.
Wir Deutschen betreten ein Restaurant und marschieren schnurstracks auf den von uns preferierten Tisch zu, der uns gefällt und bei dem wir uns die Freiheit nehmen, ihn für uns zu beanspruchen.
Einzig in gewissen sehr hochpreisigen, mit diversen Sternen versehenen Edel-Schuppen müssen wir mit dem Einspruch eines Empfangschefs rechnen, der uns an den Platz
dirigiert, welcher ihm als moderat und adäquat genug für uns erscheint, weil es seine Entscheidung ist, wo wir uns während der Mahlzeit wohlfühlen dürfen. Hingegen jedoch in allen normalen
Restaurants bleibt es uns vorbehalten, den Tisch frei zu wählen, der für unsere Bedürfnisse am Geeignetsten erscheint. Was für ein Fortschritt und erst die Perspektive, die sich uns da
auftut….
Im Land of the Free zählt dieser Service also sozusagen zu den Grundgedanken der Dienstleistung, den Gast beim Eintreten in das Lokal zu taxieren und ihm den Tisch zuzuweisen. Man kennt es gar
nicht anders und der Amerikaner würde beim Besuch im Land der Biertrinker und Knödelesser völlig hilflos am Eingang eines Restaurants stehen und auf den Begleitservice zum Tisch hoffen ob seiner
Unselbständigkeit, dies in Eigenregie zu übernehmen – ganz einfach, weil er es nie gelernt hat. Wobei es natürlich Ausnahmen gibt. In Bars und Fastfood-Restaurants hat der Amerikaner seinen
eigenen Willen bei der Tischwahl mittlerweile sehr wohl entdeckt….! Warum auch nicht? It’s the Land of the Free…..und irgendwie vermute ich, diese Sitte müssen die Engländer mit
rübergenommen haben, von uns Deutschen kann das nicht stammen
Genie in a Bottle
Im gleichen Maße, wie der Amerikaner seine Höflichkeit zur Schau stellt und sie pflegt – wir haben ja gelernt, dass er sie aus einem sehr schlauen Grund lebt – geht er auch mit der Öffentlichkeit, ihrer strengen Befindlichkeit und im besonderen Maß deren Bedürfnissen um. Der Amerikaner verfügt über eine ungemein hohe Schamgrenze, die er zu allen Gelegenheiten und Vorkommnissen eifrig und mit großem, ideellen Maßstab vertritt.
Es gehört sich einfach nicht, Getränke – speziell wenn es sich um Behältnisse alkoholischen Inhalts handelt, durch die Straßen zu tragen. Wahrscheinlich wurden in den USA eigens dafür
kleine, aus kartonartigem braunem Papier hergestellte Tüten erfunden, in welchen man Bierflaschen und Dosen prima verstecken kann. Es wäre jetzt blauäugig, anzunehmen, dass nicht jeder,
der einen Amerikaner mit solch einer kleinen Papiertüte in der Hand durch die Straßen laufen sieht, nicht sowieso wüßte, um welches Geheimnis es sich beim Inhalt besagter Tüte handelt. Aber,
und das ist der große Unterschied, man zeigt es nicht offen, man verbirgt es vielmehr im Glauben, was man nicht sieht, kann nicht schlimm sein. Vogel Strauss läßt grüßen.
Wir brauchen gar nicht darüber zu reden, dass alkoholische Getränke im Fahrgastraum eines Autos, also dort, wo Fahrer und Beifahrer und Leute auf der Rückbank sitzen, absolut nach Federal Law
verboten sind. Wehe dem, der mit einer Pulle Bier erwischt wird, selbst wenn sie sich in den Händen derer befindet, die hinten sitzen. Es gibt richtig Ärger mit den Cops der Highways oder
Interstates, wer sich nicht an diese Regel hält. Unschwer sich vorzustellen, was passiert, einer steht an der Ampel und nimmt einen Schluck, während in der zweiten Line der Cop im Polizeiwagen
steht und seinen Blick nach nebenan wandern läßt. Ja, genau, die Fahrt ist just genau in diesem Moment zu Ende.
Was will uns jetzt dieses schinante Getue in Bezug auf Alkohol sagen? Wieso geht der Amerikaner nicht so ungezwungen damit um, wie man – klar, nicht immer im positiven Sinne – in Europa und dem Rest der Welt damit umgeht? Wann trat das einschneidende Ereignis ein, welches dazu beitrug, drüben aus seinen Gelüsten einen Verbergungskult zu treiben? Weil nicht sein kann, was nicht sein darf? Das wäre doch aber falsch, weil Verbote gerade den Reiz des Besonderen ausmachen. Wieso kommt der amerikanische Austauschschüler im Alter von 17 oder 18 Jahren nach Deutschland geflogen und sein erster Weg führt ihn direkt in den lang ersehnten Vollrausch?
Das Bad in der Menge
Nicht viel anders geartet ist es, wenn es um das Beach-Outfit geht. Hier haben wir es mit ganz massiven Diskretions- und Intimitätsbefürwortern zu tun. In Sachen Kleinkinder unten und
oben ohne im Sand spielen oder im seichten Wasser in die Wellen springen lassen, geht gar nicht. Das Geschlecht des Kindes, egal wie alt, ist - sobald es laufen kann, nicht mehr
egal, weil verhüllt. Unbedingt und ohne Kompromisse.
Mädchen tragen das Oberteil des Bikinis allerspätestens mit vier Jahren, davor werden schon mal Konzessionen gemacht, das Oberteil wegzulassen. Man würde aber niemals einen zweijährigen
Jungen ohne Badehose am Strand finden, da hat ein unsichtbarer Richter die Hand drauf. Ja wirklich, es handelt sich um ein ungeschriebenes Gesetz und Heerscharen von Müttern und Vätern halten
sich akribisch und widerspruchslos liebend gern daran.
A propos Väter. Hat man in den letzten 20 Jahren je einen männlichen Badegast an US-Stränden und Schwimmbädern in den – Europäern so bekannten, mittlerweile aber auch bei jüngeren Herren
bis 30 Jahre als nicht mehr IN deklarierten Badehosen, Speedos genannt, gesehen? Never ever. Der Amerikaner schwört auf einen kompletten Vorhang als Beinkleid um sein
Gemächt, je länger, je besser – das Beinkleid ist selbstedend damit gemeint. Ausbeulungen im Schrittbereich, hervorgerufen durch europäisch preferierte knappe und enge Höschen, eben diese
Speedos, sind absolut ein no-go und sind von jung bis scheintod verpöhnt.
Okay, okay, ich gebe es als Frau ja zu, so ganz gerecht und richtig herum drehen sich die Uhren über’m und am Teich nicht so wirklich. Frauen nämlich, man ahnt es schon, haben es da wirklich
einfacher und sind freier in der Wahl ihres Beach-Outfits. Es stört wirklich keinen, wenn das Bikini-Höschen der Ladies durch einen Strick zwischen den Pobacken, deren Größe und
Festigkeitsgehalt zweitrangig ist, gebunden wird, oder das Oberteil aus allen Nähten platzt.
Da ist man wirklich sehr großzügig am Beach, denn…man ist, wie sollte es anders sein, gerne underdressed, was interessierte Männerblicke angeht. Jedoch, wie ich mir habe sagen lassen
und es natürlich gleich nachschlagen mußte, gibt es in Miami tatsächlich schon den ein oder anderen Strandabschnitt, an welchem man oben genanntes Bikinioberteil einfach wegläßt, ganz nach
dem Motto The Land of the Free…
to be continued
Gewidmet zum Independence Day am 4. Juli meinen Freunden in Amerika und ihrem wundervollen Land!